Unsere inneren Antreiber – Wie sie unser Leistungspotential einschränken oder uns bei unserem Erfolg unterstützen – Teil I: „Sei perfekt“

Sie liefern Ihren Bericht erst ab, wenn Sie ihn mehrere Male überarbeitet haben? Sie sind der Meinung, dass Sie viele Aufgaben noch besser erledigen könnten? Sie kümmern sich auch um nebensächliche Dinge am liebsten persönlich? Sie planen Ihre Aufgaben ganz genau und im Detail?  

Wenn Sie sich in diesen Punkten wiedererkennen, sind Sie mit großer Wahrscheinlichkeit durch den „Sei perfekt“-Antreiber geprägt. Dieser Antreiber kann Ihr Leistungspotential entweder einschränken oder Sie bei Ihrem Erfolg unterstützen. Wie und warum, das lesen Sie in meinem heutigen Beitrag. 

Das Modell der inneren Antreiber geht davon aus, dass unsere Eltern und andere Bezugspersonen (zum Beispiel Erzieherinnen, später unsere Lehrer) uns gewisse Botschaften übermittelt haben, die – im Unterbewusstsein verankert – auch noch im Erwachsenenalter mehr oder minder unsere Einstellung und unser Verhalten beeinflussen. 

„Sei perfekt“, „Sei stark“, „Streng dich an“, „Mach es allen recht“, „Beeil dich“ 

Durch Worte und eigenes Tun und in der besten Absicht, uns beim Meistern unseres Lebens zu unterstützen, wurden uns diese Anweisungen mitgegeben. Als Kind hatten sie Absolutheitscharakter, wurden nicht hinterfragt und setzten sich als unumstößliche Glaubenssätze in uns fest. 

„Ich darf keine Fehler machen.“ „Gut ist niemals gut genug.“

„Indianer kennen keinen Schmerz.“ „Gefühle zeigt man nicht.“

„Ohne Fleiß kein Preis.“ „Ich muss mich immer anstrengen.“

„Ich bin nur dann wertvoll, wenn alle mit mir zufrieden sind.“ „Ich werde abgelehnt, wenn ich Nein sage.“

„Ich muss schnell sein, sonst werde ich nicht fertig.“

Als Erwachsener können diese und ähnliche verinnerlichte Botschaften uns in einzelnen Situationen durchaus helfen angemessen zu handeln. Wenn die Situation es erfordert, liefern wir eine perfekte Arbeit ab, beweisen Stärke, strengen uns an, passen uns an oder erledigen in kurzer Zeit ein hohes Arbeitspensum. Grundsätzlich ist also keiner der inneren Antreiber vor- oder nachteilig.

Wenn die inneren Antreiber jedoch zu mächtig werden und unsere Einstellung und unser Verhalten unbewusst und ohne Rücksicht auf die konkrete Situation kontrollieren und steuern, können sie zum Stresserzeuger werden und unser Leistungspotential einschränken. Besonders stark ausgeprägt kann ein Antreiber uns sogar gesundheitlich schaden.

Interessant ist daher, sich der eigenen Antreiber und ihrer jeweiligen Ausprägung bewusst zu werden. So können Sie einen Antreiber in bestimmten Situationen gezielt als persönliche Stärke wahrnehmen und nutzen. Einem übermächtigen Antreiber können Sie dagegen durch bewusstes Einsetzen von „Gegenbotschaften“ und „Erlaubern“ gegensteuern. 

Nicht zuletzt ist das Wissen um die eigenen inneren Antreiber auch hilfreich im Umgang und in der Zusammenarbeit mit anderen Menschen, die vielleicht von ganz anderen Antreiber beeinflusst werden. Ist unser „Sei perfekt“-Antreiber stark ausgeprägt ist es sehr wahrscheinlich, dass wir uns mit einem „Mach schnell“-Kollegen schwer tun, der bei der Erledigung seiner Aufgaben weniger durch seine Genauigkeit als durch Schnelligkeit angetrieben wird.

Stärken und Fallen des „Sei perfekt“-Antreibers

Was sind nun die Stärken des „Sei perfekt“-Antreibers und wie können Sie den Antreiber beeinflussen, wenn er Sie zu stark beherrscht? 

Der innere Antreiber „Sei perfekt“ macht uns zu einem zuverlässigen, auf Qualität und genaue Planung der Aufgaben fokussierten Menschen. Der Antreiber ist förderlich bei Aufgaben, bei denen Geduld gefragt ist, sich jemand um Details kümmern und Dinge von mehreren Seiten beleuchten muss.

Wird dieser Antreiber zu mächtig, kann er sich jedoch kontraproduktiv auswirken und zum Stressor werden. Über die pingelige Genauigkeit und Detailverliebtheit geraten wir unter Zeitdruck, wenn der Abgabetermin für die Aufgabe naht. Wir überlasten uns, weil wir am liebsten alles selbst erledigen oder die Arbeit anderer nochmals kontrollieren müssen. Fehler können wir nicht zulassen, Kritik setzt uns daher häufig schwer zu. Mit unserer Arbeit sind wir nie richtig zufrieden, so dass wir uns ständig selbst unter Leistungsdruck setzen. Auch mit der Umsetzung in die Praxis tun wir uns schwer, weil das Konzept uns in der Theorie immer noch nicht gut genug erscheint.  

Eine gute Übung kann es sein, wenn Sie sich bewusst machen, in welchen konkreten Situationen Sie der Antreiber unterstützt und in welchen er Sie eher behindert bzw. sogar stark beeinflusst. Um dem übermächtigen „Sei perfekt“-Antreiber gegenzusteuern, kann es helfen, sich Gegenbotschaften und „Erlauber“ zurechtzulegen und in den Situationen, in denen der Antreiber Sie zu kontrollieren versucht, bewusst hervorzurufen. 

„Bei dieser Aufgabe reichen auch 90%.“

„Ich darf auch mal Fehler machen.“

„Ich darf Fehler machen und daraus lernen.“

„Ich kann auf meine Fähigkeiten vertrauen, ich brauche meine Arbeit jetzt nicht noch einmal zu kontrollieren.“ oder „Ich kann auf die Fähigkeiten der anderen vertrauen, ich brauche jetzt nicht noch einmal alles nachzukontrollieren.“

Sich diese oder ähnliche – für Sie persönlich stimmige – Gegenbotschaften schrittweise zu verinnerlichen, kann Ihnen helfen, den übermächtigen Antreiber auf das Maß zurückzufahren, bei dem er Sie unterstützt anstatt Sie zu behindern und einzuschränken.

Antreibertests und Tipps für mehr Imperfektion

Im Internet finden sich eine Reihe von Tests, mit denen Sie die Ausprägung Ihrer Antreiber ermitteln können, zum Beispiel dieser kostenlose Test unter >> http://www.lerncoaching-berlin.com/antreibertest.html

Aktuelle Tipps für mehr Imperfektion finden Sie auch bei karrierebibel.de >> hier.

Glaubenssätze lassen sich nicht von heute auf morgen ändern und neues Verhalten erlernt sich nicht über Nacht. Wenn Sie sich bei der Arbeit an Ihrern inneren Antreibern unterstützen lassen möchten, sprechen Sie mich gerne an. >> Coaching-Angebot von Mareike Zimmer.

Zum zweiten Teil dieser Artikelserie und dem „Mach es allen recht“-Antreiber gelangen Sie >> hier.

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  6 comments for “Unsere inneren Antreiber – Wie sie unser Leistungspotential einschränken oder uns bei unserem Erfolg unterstützen – Teil I: „Sei perfekt“

  1. Anja Visscher
    10. Februar 2014 um 21:02

    Oh Gott, Mareike, Du machst mich fertig! 😉 Den Blog-Beitrag darf ich erst gar nicht lesen, sondern bekomme ich eine komplette Krise ;-)) Sitze hier gerade über dem ersten Facebook-Reporting meines Lebens und komme aus dem Grübeln nicht mehr raus. Abgabe war eigentlich heute. No Comment… Lieben Gruß Anja

    • 11. Februar 2014 um 05:14

      Liebe Anja, ich hoffe, du hast meinen Artikel doch noch gelesen, die Empfehlungen gleich ausprobiert und deinen Bericht abgegeben! Liebe Grüße zurück und viel Erfolg weiterhin! Mareike

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