Was trägt mich und stützt mich – oder eben nicht… Die „Fünf Säulen der Identität“

Woran können wir festmachen, dass wir ein ausgeglichenes Leben führen oder was genau wir persönlich dafür brauchen? Wenn wir das Gefühl haben, aus dem Gleichgewicht geraten zu sein, wie finden wir heraus, was wir benötigen, um wieder in Balance kommen? Das Modell der „Fünf Säulen der Identität“ geht davon aus, dass sich unsere Identität auf fünf wesentliche Bereiche stützt und wir von diesen „fünf Säulen“ getragen werden – oder eben nicht…

Wer bin ich? – Die fünf Säulen der Identität

Das Konzept der „fünf Säulen der Identität“, das von Hilarion Petzold erstmals 1986 im Rahmen seiner ganzheitlichen psychotherapeutischen Arbeit beschrieben wurde, lässt sich gut nutzen, um sich bewusst zu werden, welche Lebensbereiche im Moment Halt bieten und welche Säulen vielleicht zu schwach sind, um ein ausgeglichenes und zufriedenes Leben zu führen. So können Sie herausfinden, an welchen schwächeren oder bröckelnden Säulen Sie gezielt arbeiten können, um Ihrer Identität und Ihrem Leben Stabilität zu verleihen, zurück ins Gleichgewicht zu finden und sich gegen Belastungen zu schützen.

Körper – soziales Netzwerk – Arbeit und Leistungsfähigkeit – materielle Sicherheit – Werte und Ideale

1 Unser Körper

Ausgangspunkt unserer Identität sind unser Körper, unser Geist und unsere Psyche. Ohne diese könnten wir nicht existieren. Dieser Säule kommt daher eine hohe Bedeutung zu. Die Stabilität dieser Säule können wir häufig sehr gut einschätzen, indem wir uns fragen, wie gesund, körperlich und geistig fit wir uns fühlen, welche Rolle unsere Gesundheit in unserem Leben spielt und wie viel Aufmerksamkeit wir zum Beispiel unserer Ernährung, körperlicher Betätigung, unseren Sinnen und unserer Genussfähigkeit widmen.

Insbesondere Krankheiten, Unfälle und (seelische) Verletzungen gefährden die Stabilität dieser Säule.

2 Unser soziales Netzwerk

Neben dem Körper sind soziale Kontakte für den Menschen überlebenswichtig. Sie geben Struktur, bieten Halt und schenken Anerkennung. Fehlende oder gestörte soziale Kontakte können zu starken psychischen Belastungen führen und dauerhaft krank machen. Die Stabilität dieser Säule lässt sich daran festmachen, wie gut wir in Beziehungen und soziale Netzwerke eingebettet sind. Dabei kommt es nicht auf die Anzahl der sozialen Kontakte an, sondern vielmehr auf die Tragfähigkeit der Beziehungen und die Unterstützung, die wir aus ihnen erfahren und die wir selbst in einer Beziehung bieten können.

Zu bröckeln beginnt diese Säule beispielsweise, wenn wir einen langjährigen Partner oder Freund durch Trennung, unüberbrückbare Auseinandersetzungen oder durch Tod verlieren. Häufig wirkt sich eine schwache oder bröckelnde Säule im Bereich der sozialen Kontakte auch auf die Säulen Körper und Leistungsfähigkeit aus, so dass Schwierigkeiten in diesem Lebensbereich schnell zu einem Gleichgewichtsverlust im Leben führen können.

3 Arbeit und Leistungsfähigkeit

Es ist ein Grundbedürfnis des Menschen, eine für ihn sinnvolle Aufgabe zu haben, sich durch persönliche Leistung oder die Schaffung eines Werkes selbst zu verwirklichen. Der Leistungsanspruch eines jeden ist zwar unterschiedlich ausgeprägt, das Fehlen oder der Verlust einer solchen Aufgabe führt jedoch häufig zu den gleichen (gesundheitlichen) Auswirkungen. So können der Verlust des Arbeitsplatzes oder der Eintritt in die Rente an der Identität kratzen. Eine stabile Leistungssäule lässt sich zum Beispiel an folgenden Punkten festmachen: Sie gehen einer Arbeit nach, die Sie befriedigt, weil Sie Ihr Potential und Ihre Talente einsetzen können und/oder in der Arbeit einen für Sie tiefen Sinn sehen; eine für Sie eher unbefriedigende Arbeit, der Sie zum Geldverdienen nachgehen (müssen), können Sie in Ihrer Freizeit durch Aktivitäten ausgleichen, die Ihnen Spaß machen (zum Beispiel ein Hobby) oder Ihnen Sinn verleihen (zum Beispiel eine ehrenamtliche Tätigkeit) ; Sie sind mit Ihren Aufgaben weder über- noch unterfordert; Sie erhalten die Anerkennung für Ihre Arbeit, die Sie sich wünschen.

4 Unsere materielle Sicherheit

Die vierte Säule bilden unsere Fragen, Einstellungen und gegebenenfalls Ängste gegenüber unserer existentiellen Absicherung, nach unserem Lebensstandard und unserer finanziellen Situation heute (zum Beispiel Bezahlung unserer Wohnung ist sichergestellt) und in Zukunft (zum Beispiel Angst vor Verlust des Lebensstandards im Alter).

Bin ich mit meinem Lebensstandard zufrieden? Kann ich mir und meiner Familie/meinen Kindern das bieten, was ich mir wünsche? Belasten mich Existenzängste? Wie wichtig sind mir Statussymbole? Habe ich Zugang zu ausreichender Gesundheitsvorsorge?

Diese Säule ist häufig geprägt durch Erfahrungen aus der Kindheit, die die Einstellung zu materieller Sicherheit beeinflussen können. Sie hat dann einen erheblichen Einfluss auf das persönliche Gleichgewicht, wenn Existenzängste durch äußere Einflüsse konkret werden. Wenn das Streben nach materieller Sicherheit einen sehr großen oder immer größeren Raum einnimmt, können die anderen Säulen negativ beeinträchtigt werden. Wer viel arbeitet, um diese Säule zu stärken, vernachlässigt vielleicht seine sozialen Kontakte, seinen Körper oder die nun folgende fünfte Säule.

5 Unsere Werte und Ideale

Unsere Werte sind unsere oberste Orientierungsinstanz im Leben. Wenn Sie gemäß Ihrer Werte leben, sind Sie mit sich im Einklang. Treffen unterschiedliche Werte aufeinander, entsteht ein Konflikt: in Ihnen selbst oder im Äußeren mit Ihrer Umwelt. Unser persönliches Wertesystem stärkt und erhält unsere Identität und das selbst dann noch, wenn alle anderen Säulen bröckeln.

In einer Struktur aus Regeln (Erlaubtes und auch Verbotenes), Ritualen und Formeln zu leben gibt uns Sicherheit und stützt so unsere Identität. Die eigenen Werte zu kennen, hilft das eigene Leben daran auszurichten und stimmige Entscheidungen zu treffen (zum Beispiel bei der Berufswahl).

Zum Thema persönliche Wertearbeit finden sich viele Artikel und Bücher. Eine Methode habe ich in meinem Artikel „Karriere? Ja, aber zu meinen Bedingungen! Mit 5 Fragen zum persönlichen Erfolg (II)“ vorgestellt, den Sie >> hier lesen können. Außerdem kann ich Ihnen das Buch von Uwe Böschemeyer „Worauf es ankommt – Werte als Wegweiser“ wärmstens empfehlen (siehe unter “zum weiterlesen… ” >>).

„Die fünf Säulen der Identität“ anwenden

Um festzustellen, wie stabil Ihr Lebenskonstrukt ist und wo Sie ansetzen können, um die Balance wieder herzustellen oder sich gegen Belastungen des Alltags besser schützen zu können, können Sie sich zum Beispiel folgende Fragen stellen:

  • Wie ist jede einzelne Säule ausgeprägt (z. B. anhand einer Skala von 1-10)? Welche Lebensbereiche tragen mich, welche sollte ich dringend stärken?
  • Welche aktuellen Themen könnten die Stabilität meiner Säulen gefährden oder gefährden Sie bereits?
  • Entsprechen die Säulen in ihrer momentanen Ausprägung den Wünschen und Bedürfnissen, die ich an mein Leben habe? Was möchte ich ändern, welcher Säule mehr Gewicht geben?
  • Was habe ich bereits unternommen, um meine Säulen zu stärken? Waren diese Maßnahmen erfolgreich? Kann und/oder sollte ich mir Hilfe holen, um einen Lebensbereich zu stärken?

Die Beschäftigung mit den fünf Säulen der Identität schafft Bewusstsein für die eigenen Lebensbereiche, ermittelt Schwachstellen und Lücken und hilft, sich Ziele für die Stabilisierung des Lebens zu setzen.

 

Coaching mit den fünf Säulen der Identität

Sie wollen professionelle Unterstützung bei der Arbeit mit Ihren Säulen der Identität? Ihr Leben ist aus der Balance geraten, Sie wissen aber nicht genau, wo Sie ansetzen sollen? Etwas entscheidendes hat sich in Ihrem Leben verändert und Sie wollen neue Prioritäten setzen? Gerne schauen wir uns Ihre fünf Säulen gemeinsam an. Ihr Vorteil: eine zweite Perspektive. >> Hier geht es zu meinem Coaching Angebot.

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  6 comments for “Was trägt mich und stützt mich – oder eben nicht… Die „Fünf Säulen der Identität“

  1. 26. Januar 2014 um 10:05

    Hat dies auf :: Mareike Zimmer rebloggt.

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