Das innere Team – Authentisch auftreten durch die Klärung innerer Konflikte

Wer authentisch auftreten möchte, sollte seine inneren Befindlichkeiten klären. Denn bestehen ungelöste Konflikte in Ihnen selbst, senden Sie diffuse Signale an Ihre Außenwelt, können nach außen also keine klare Botschaft kommunizieren und wirken so unentschlossen und wenig authentisch. Psychologen sprechen in diesem Zusammenhang von der inneren Pluralität, die uns daran hindert, bewusste Entscheidungen zu treffen und entsprechend angemessen und gezielt zu handeln.

Hört sich kompliziert an und sehr psychologisch? Der Kommunikationspsychologe Schulz von Thun zeichnet sich dadurch aus, dass er komplizierte psychologische Zusammenhänge in anschaulichen Modellen darstellt, die sich auch für den interessierten Laien recht einfach in die Praxis umsetzen lassen. Der inneren Pluralität widmet er sich beispielsweise durch das Modell der sogenannten inneren Teamkonferenz. Insbesondere bei inneren und äußeren Konflikten ist das Modell gut geeignet, sich mit der Konfliktsituation bewusst auseinanderzusetzen, Lösungen für innere Konflikte zu entwickeln und in der Folge nach außen authentisch auftreten zu können.

Vielleicht haben Sie folgende Situation schon einmal oder sogar häufiger erlebt: Sie stehen kurz vor dem Feierabend und sind mit Ihrem Partner bzw. Ihrer Partnerin verabredet. Da bittet Sie Ihr Chef, noch eine dringende Kundenanfrage zu bearbeiten (oder eine andere Aufgabe zu erledigen). Eigentlich liegt Ihnen die Antwort schon auf den Lippen, „Nein, das geht heute nicht!“, dann sagen Sie aber doch zu, weil Sie sich über das Vertrauen Ihres Chefs freuen, während Sie im gleichen Moment denken „Warum eigentlich immer ich?“ und schon die Vorwürfe Ihres Partners oder Ihrer Partnerin hören.

Stellen Sie sich beliebige andere Situation vor, die Sie in einen „inneren Konflikt“ bringt. Ein innerer Konflikt zeigt sich immer dann, wenn sich als Reaktion auf eine Situation oder Frage ein innerer Dialog abspielt: „Das ist ein wichtiger Kunde, toll, dass mein Chef mir vertraut!“; „Aber warum muss immer ich mich kümmern?“, „Bestimmt wird das bei der nächsten Beförderung berücksichtigt.“, „Aber zu Hause hagelt es wieder Vorwürfe.“ „Ich wollte auch nicht mehr so viele Überstunden machen.“ usw.

Solange dieser innere Konflikt nicht gelöst ist, werden Sie in der Auseinandersetzung mit Ihrem Vorgesetzten und mit Ihrem Partner/Ihrer Partnerin entsprechend diffus reagieren, zum Beispiel mit einer Rechtfertigung oder sogar einem Gegenangriff, wenn Ihr Partner/Ihre Partnerin tatsächlich kein Verständnis zeigt und sich über Ihre „mangelnde Zuverlässigkeit“ beschwert. Die „innere Teamkonferenz“ kann Ihnen helfen, innere Konflikte zu bearbeiten, Handlungsstrategien zu entwickeln und so für sich innerlich stimmig und ruhig aufzutreten.

Mit dem inneren Team arbeiten

Versetzen Sie sich am besten so konkret wie möglich in die Situation, die zu einem Konflikt in Ihnen führt oder zukünftig führen könnte. In welchen Fragen fühlen Sie sich innerlich „zerrissen“? Wissen Sie – um beim Beispiel zu bleiben – wo Sie aktuell Ihre Prioritäten setzen, beruflich oder im Privaten?

Welche Gedanken kommen Ihnen in den Kopf, wenn Sie an die Situation oder Frage denken? Sie sollten die inneren Gedankengänge möglichst wortwörtlich aufschreiben und darauf achten, dass Sie keinen Teil des Dialoges als unwichtig abtun. (Wie in einem echten Team gibt es „laute“ und „leise“ Stimmen und die lauten Teammitglieder versuchen sich gerne mal in den Vordergrund zu spielen oder zurückhaltende Personen zu übertönen).

Anhand der Gedanken können Sie die „Teammitglieder“ identifizieren, die Ihre innere Pluralität abbilden. Einige „Teammitglieder“ melden sich eventuell mit mehreren Einwänden oder Meinungen. Versuchen Sie, die Gedanken zu ordnen und Ihre Teammitglieder zu benennen. Ein Richtig oder Falsch gibt es dabei nicht. Es geht mehr darum, dass Sie die unterschiedlichen Positionen für sich selbst möglichst passend benennen. In der oben geschilderten Situation könnte „Ihr Team“ zum Beispiel so aussehen:

  • Der Ehepartner: „Meine Beziehung ist mir wichtig.“ „Ich möchte meine Partnerin nicht enttäuschen.“
  • Der Gewissenhafte: „Ich habe ihr versprochen, dass wir den Abend gemeinsam verbringen und Versprechen soll man nicht brechen.“
  • Der Karrieremensch: „Ich will meinem Chef zeigen, dass er auf mich vertrauen kann.“ „Das ist meine Chance, den Chef zu beeindrucken!“ „Ich will immer und zu jeder Zeit meine beste Leistung bringen.“
  • Der Beschützer: „Ich darf nicht immer nachgeben.“ „Ich muss auf mich achten.“ „Arbeit ist nicht alles.“

Wie in einer Teamsitzung im realen Leben können Sie sich Ihre Teammitglieder nun bildlich gesprochen „an einen Tisch holen“ und eine Lösung verhandeln, der idealerweise alle zustimmen können. Das könnte im Beispiel so aussehen:

  • Die Beförderung steht kurz bevor und es ist mir wichtig, im Job mein Bestes zu geben. Ich spreche darüber mit meinem Partner/meiner Partnerin und werbe für Verständnis. Gemeinsame Aktivitäten planen wir nicht mehr in der Woche, sondern am Wochenende. Diese werden dann auch bedingungslos eingehalten!
  • Mit meinem Chef bespreche ich, dass ich gerne zusätzliche Aufgaben übernehme, dass ich mich jedoch häufig sehr vereinnahmt fühle, insbesondere durch diese sehr kurzfristigen Anfragen am Abend. Idealerweise lässt sich durch frühere Kommunikation und/oder einem angepassten Erwartungsmanagement gegenüber dem Kunden eine Lösung finden, die nicht ständig zu kurzfristigen Überstunden führt.

Die Auseinandersetzung mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin und mit Ihrem Chef müssen Sie nach der Teamkonferenz zwar trotzdem führen. Dennoch gibt es einen Störfaktor weniger: Sie haben innerlich eine bewusste Entscheidung getroffen und somit die innere Unruhe und Uneinigkeit, das Hin und Her Ihrer eigenen Gedanken beseitigt. So können Sie Ihre Interessen nach außen klar, der Situation angemessen und ruhig vertreten. Das macht Sie authentisch.

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