Wie Sie mit den fünf Säulen der Identität Ihren Lebensprioritäten näher kommen

„Wer nicht weiß, wohin er will, der darf sich nicht wundern, wenn er ganz woanders ankommt“, hat Mark Twain einmal gesagt und damit – wie ich finde – wunderbar formuliert, wie wichtig es ist, sich seiner Ziele bewusst zu sein und entsprechende Prioritäten zu setzen. Wie wichtig das Setzen von Lebensprioritäten ist, bestätigen auch Erfahrungen aus der Behandlung von Burn-out Patienten: Psychologen sehen die Ursachen von Burn-out immer häufiger darin, dass Betroffene ein Leben führen, dass entgegen der eigenen Identität gelebt wird und die eigenen Lebensprioritäten nicht bekannt sind oder ausreichend berücksichtigt werden. So schreibt zum Beispiel Dr. Mirriam Prieß in ihrem Buch „Burnout kommt nicht nur von Stress: Warum wir wirklich ausbrennen – und wie wir zu uns selbst zurückfinden“, dass ihre Patienten fast immer ein Leben gegen die eigene Identität geführt haben, den Kontakt zu sich selbst verloren und offene oder unterschwellige Konflikte zugenommen haben. Darüber seien Sie letztendlich ausgebrannt. 

Aber wie erkennen wir unsere Lebensprioritäten? Wie stellen wir sicher, dass wir unser Leben an unseren Werten und unseren ganz persönlichen Vorstellungen und Wünschen orientieren? Ziele verfolgen, die unserer Identität entsprechen? Was macht unsere Identität überhaupt aus?

Unsere Identität und Lebensprioritäten

In meinem Blogbeitrag „Was trägt mich und stützt mich – oder eben nicht… ” hatte ich Ihnen das Modell der „fünf Säulen der Identität“ von Hilarion Petzold vorgestellt. Das Modell geht davon aus, dass sich unsere Identität auf fünf wesentliche Bereiche stützt – Körper und Gesundheit, ein soziales Netzwerk, eine Arbeit oder Aufgabe, materielle Sicherheit und Werte und Ideale. Zu Krisen, Konflikten, Unzufriedenheit kommt es immer dann, wenn einzelne oder mehrere dieser Säulen an Stabilität verlieren, weil wir uns nicht ausreichend um diese Lebensbereiche kümmern – oder weil wir die Prioritäten nicht richtig setzen, nämlich entgegen unserer wichtigsten Bedürfnisse.

Das Modell eignet sich gut als Basis dafür, sich mit den individuellen Lebensprioritäten zu beschäftigen. Wie wichtig ist Ihnen der jeweilige Bereich? Woraus ziehen Sie die meiste Energie? Aus einer wichtigen Arbeit, aus einem großen Familien- und/oder Freundeskreis? Schauen Sie sich dafür die >> die fünf Säulen im Detail an.

Oder nutzen Sie folgende Übung:

Stellen Sie sich vor, Sie feiern Ihren 70. Geburtstag und ein guter Freund oder eine gute Freundin hält eine Geburtstagsrede. Kreuzen Sie spontan an, welche der folgenden Aussagen in der Rede auf keinen Fall fehlen dürfen und/oder welche Aussagen Sie besonders glücklich machen würden.

  1. … ist mit 70 Jahren körperlich und geistig immer noch topfit.
  2. …immer dabei, wenn es um Bewegung, Sport und Spaß ging.
  3. Eine gesunde und genussvolle Lebensweise stand immer im Vordergrund.
  4. … hat am liebsten Zeit mit der Familie verbracht.
  5. … hat der Partnerschaft immer viel Aufmerksamkeit geschenkt.
  6. … Freunde konnten sich immer auf sie/ihn verlassen.
  7. … war im Beruf äußerst erfolgreich.
  8. … war Experte in seinem/ihrem Fachgebiet.
  9. … die Karriere sucht seines-/ihresgleichen.
  10. … hat viel Geld verdient.
  11. … war finanziell immer unabhängig.
  12. … hat für den Rest des Lebens ausgesorgt.
  13. … spielt ein Instrument (… hat ein Buch geschrieben, … ist um die Welt gesegelt…, hat den Sinn des Lebens für sich gefunden…).
  14. … kennt seine/ihre Werte und Ideale, hat stets danach gehandelt und sich nicht verbiegen lassen.
  15. … war immer und ist bis heute eine äußerst authentische Persönlichkeit, die weiß, was ihr wichtig ist im Leben.

Anhand der Kreuze in Ihrer „Geburtstagsrede“ können Sie bereits gut ablesen, welche Themen Ihnen besonders wichtig sind.

  • Fragen 1-3 entsprechen dabei der Säule „Körper“.
  • Fragen 3-6 entsprechen der Säule „soziales Netzwerk“.
  • Fragen 7-9 entsprechen der Säule „Arbeit und Leistung“.
  • Fragen 10-12 entsprechen der Säule „materielle Sicherheit“.
  • Fragen 13-15 entsprechen der Säule „Werte und Ideale“.

In Ihrem Handeln und Tun und vor wichtigen Entscheidungen sollten Sie überlegen, ob Sie entsprechend Ihrer Prioritäten handeln und die „richtige“ Säule bedienen, das heißt den Lebensbereich stärken, der Ihrer Identität am besten entspricht.

Vernachlässigen sollten Sie dennoch keine der Säulen. Für ein stabiles und ausgeglichenes Leben sind alle Bereiche wichtig.

 

Buchempfehlung

Dr. Mirriam Prieß ist Psychologin und Psychotherapeutin mit langjähriger Erfahrung in der Behandlung von Burn-Out-Patienten. Ihr Buch „Burnout kommt nicht nur von Stress: Warum wir wirklich ausbrennen – und wie wir zu uns selbst zurückfinden“ ist u.a. erhältlich >> bei amazon

  3 comments for “Wie Sie mit den fünf Säulen der Identität Ihren Lebensprioritäten näher kommen

  1. marianne höfer
    9. Oktober 2015 um 15:48

    Ich lese deine Kommentare sehr sorgfältig. Sie sind sehr interessant. Danke dafür.

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