Wie Sie gelassener werden, indem Sie Ihre eigenen Druckauslöser erkennen

„Ich stehe total unter Druck.“ Das hören wir von vielen oder sagen es auch selbst. Unterschiedliche Erwartungen werden an uns gestellt, diverse Themen warten auf ihre Realisierung, die Zeit für die anstehenden Aufgaben reicht nicht aus, wir stecken in einem Konflikt oder haben Angst vor einer bestimmten Situation.

Was genau den Druck bei jedem einzelnen auslöst ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Interessant ist, dass viele Menschen ihre individuellen Druckauslöser gar nicht genau benennen können. Dabei kann das Bewusstsein um die individuellen Auslöser den Druck häufig schon reduzieren. Und auch im zwischenmenschlichen Kontakt lassen sich viele stressige Situationen vermeiden oder schneller auflösen, wenn den handelnden Personen bewusst ist, dass der Partner, der Kollege, der Chef oder der Mitarbeiter die Situation anders bewertet als man selbst.

In meinem ArtikelWann das Denken in Schubladen hilfreich sein kannhatte ich Ihnen das Riemann-Thomann-Modell vorgestellt. Dieses Modell beschreibt verschiedene Persönlichkeitstypen anhand unterschiedlicher Grundhaltungen und Bedürfnisse und bietet damit auch eine gute Grundlage für die Betrachtung der individuellen Druckauslöser.

Nach Fritz Riemann (1975) und Christoph Thomann (1988) hat der Mensch demnach vier grundlegende Bedürfnisse:

  • das Distanz-Bedürfnis, also das Bedürfnis nach Unabhängigkeit, Ruhe und Individualität,
  • das Nähe-Bedürfnis, also das Bedürfnis nach zwischenmenschlichen Kontakten, Harmonie und Geborgenheit,
  • das Dauer-Bedürfnis, also das Bedürfnis nach Regelmäßigkeit, Ordnung, Kontrolle, nach Ritualen und Beständigkeit,
  • das Wechsel-Bedürfnis, also das Bedürfnis nach Abwechslung, nach Freiheit, Kreativität, nach Neuem und nach Spontanität.

Unterschiedliche Bedürfnisse – unterschiedliche Druckauslöser

Menschen mit hohem Distanz- und Dauer-Bedürfnis werden häufig durch gravierende und insbesondere grundlose Veränderungen, spontane bzw. nicht fundierte Entscheidungen, Unpünktlichkeit und emotionale Erwartungen in Druck versetzt. Selbst sind sie häufig sehr (zu) formalistisch und setzen sich dadurch selbst unter Druck. Personen mit diesen Grundhaltungen haben außerdem die Tendenz, Gespräche unnötig zu verlängern und sich in Details zu verlieren, so dass sie leichter unter Zeitdruck geraten.

Personen, die über ein hohes Nähe- und ein ausgeprägtes Dauer-Bedürfnis verfügen, werden am meisten durch Unzuverlässigkeit, Konflikte, Oberflächlichkeit, mangelnde Wertschätzung und spontane, wechselnde und unvorbereitete Aufgaben in Stress versetzt. Stress selbst verursachen sie sich dadurch, dass sie zu wenig delegieren, sich schlecht abgrenzen können und zu viele Aufgaben übernehmen.

Wer ein hohes Nähe-Bedürfnis hat und gleichzeitig das Bedürfnis nach Abwechslung und Freiheit verspürt, wird sich durch Detailverliebtheit, Formalismus, Bürokratie und Prinzipienreiterei, durch Zeitlimits, Routineaufgaben und der Einforderung konsequenten Verhaltens gestresst fühlen. Durch mangelhafte Koordination und wenig Selbstdisziplin setzen sich Menschen mit diesen Grundstrebungen häufig zudem selbst unter Druck.

Zu guter Letzt sind für Menschen mit hohem Wechsel- und Distanz- Bedürfnis folgende Druckauslöser typisch: Bevormundung, enge Kompetenzspielräume, Pedanterie, Routineaufgaben und Aufgaben von geringer Bedeutung sowie mangelnde Wertschätzung der Leistung. Durch die eigene Ungeduld, den Hang, zu viel auf einmal machen zu wollen und dabei häufig schlecht informiert zu sein setzen sich diese Persönlichkeitstypen häufig selbst dem Stress aus. )*

Erkennen Sie sich (und andere) wieder?

Wie so häufig ist „der erste Schritt zur Besserung“ die Erkenntnis. Sich der eigenen externen und internen Druckauslöser bewusst zu sein und sie als Teil der eigenen Persönlichkeit zu erkennen und vor allem zu akzeptieren, kann schon zu mehr Gelassenheit führen.

Dort, wo die Druckauslöser dazu führen, dass Sie regelmäßig unter Druck stehen oder Sie sich in entsprechenden Situationen regelmäßig stark belastet fühlen, sollten Sie genauer hinschauen und nach Möglichkeiten suchen, den Druckauslösern anders zu begegnen.

Wenn Sie zum Beispiel feststellen, dass Sie unter Druck geraten, wenn Sie nicht gut informiert und vorbereitet sind (Distanz/Wechsel-Typ), planen Sie sich bewusst Zeit für die Vorbereitung ein. Wenn Sie feststellen, dass Sie sich häufig verzetteln und zu viele Aufgaben auf dem Tisch haben (Nähe/Wechsel-Typ), nehmen Sie sich vor, Prioritäten zu setzen  und Dinge sorgfältig und nachhaltiger zu planen. Wenn Veränderungen und spontane Entscheidungen Sie unter Druck setzen (Distanz/Dauer-Typ), versuchen Sie positive Argumente für die Veränderung/Entscheidung zu erfragen und für sich zu finden. Wenn Ihnen das Delegieren von Aufgaben schwer fällt (Nähe/Dauer-Typ), versuchen Sie bewusst loszulassen und halten Sie sich mit zu hohen Erwartungen an andere zurück.

 

)* Die Übersicht der internen und externen Druckauslöser für die einzelnen Persönlichkeitstypen ist an Inhalte aus dem Buch „Mit Druck richtig umgehen“ von F. John und G. Peters-Kühlinger angelehnt. Das Buch beschäftigt sich in kompakter Form mit dem Thema Druck und zeigt Möglichkeiten auf, in Zeiten erhöhter Belastung durch Druck und Stress seine Souveränität zurück zu gewinnen. Das Buch ist hier erhältlich >> amazon

 

 

 

 

 

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