Wie typische Denkfehler uns einschränken und unglücklich machen können – Ein Buchtipp zum Thema „Klares Denken“

„Kann man sich glücklich denken?“ Diese Frage wurde Rolf Dobelli, der mit seinem Buch „Die Kunst des klaren Denkens“ im Jahre 2012 wochenlang auf der Bestsellerliste stand, in einem ZeitOnline Interview gestellt.

Seine Antwort: „Nein, ob man glücklich ist, ist zu 90 Prozent Veranlagung. Ich bin von der Disposition her kein besonders glücklicher Mensch. Ich bin wahrscheinlich Durchschnitt. Aber ich kann zumindest verhindern, dass ich dumme Fehler mache, die mich noch unglücklicher machen.“

Mit den „dummen Fehlern“ spricht Dobelli die typischen Denkfehler an, denen wir Menschen häufig unterliegen, weil unser Gehirn uns einen Streich spielt, weil wir zu rational denken oder weil wir denken, die Dinge unter Kontrolle zu haben. In seinem Buch hat der ehemalige Manager und heutige Schriftsteller 52 typische Denkfehler zusammengestellt, jeweils auf die wesentlichen psychologischen Effekte beschränkt und unterhaltsam in Geschichten und Anekdoten verpackt. Zwei davon stelle ich Ihnen heute vor…

Als „Vater“ aller Denkfehler bezeichnet Dobelli zum Beispiel den „Bestätigerirrtum“: Unser Gehirn sucht ständig nach einer Bestätigung unserer Sicht der Dinge und unserer Theorien über die Menschen, das Leben, unser Umfeld. Alles, was unsere Sicht und unsere Theorien gefährden könnte, wird von unserem Gehirn systematisch aussortiert und nicht in unser Bewusstsein vorgelassen. Sie sind der Überzeugung, dass alle gegen Ihre Idee sind? Unter dem Einfluss des „Bestätigerirrtums“ werden Sie sämtliche Situationen so bewerten, dass Sie diese Annahme bestätigt finden, Sie werden vermutlich nur Menschen treffen, die Einwände gegen Ihre Idee erheben.

Ein weiterer Denkfehler, den Dobelli beschreibt, betrifft die Zufriedenheit des Menschen. Neben 90 Prozent Veranlagung bleiben 10 Prozent, die durch äußere Einflüsse steuerbar sind, zum Beispiel durch die Auszahlung einer Prämie oder eines höheren Gehalts, durch das Erreichen eines nächsten Karriereschritts oder durch den neuen Dienstwagen. Aber machen uns diese äußeren Faktoren dauerhaft zufriedener? Der sogenannte „Headonic Treadmill“-Effekt geht davon, dass äußere Einflüsse uns nicht glücklicher machen. Headonic Treadmill bedeutet so viel wie „Zufriedenheits-Hamsterrad“: Wir sehen etwas, wollen es unbedingt haben, bekommen es und freuen uns. Nach kurzer Zeit haben wir uns jedoch an die „Sache“ gewöhnt und pendeln uns auf unserem ursprünglichen, individuellen Zufriedenheitslevel wieder ein. Erschreckend: die Forschung geht davon aus, dass dieser Gewöhnungs-Effekt schon nach etwa drei Monaten eintritt – und das selbst dann, wenn man auf das Erreichen eines „äußeren Einflusses“ jahrelang hingearbeitet hat. (Das wurde unter anderem in einer Studie mit Professur Anwärtern in den USA herausgefunden, die sieben Jahre lang auf ihre Prüfung hingearbeitet hatten).

Neben diesen beiden typischen Denkfehlern enthält das Buch von Rolf Dobelli auch interessante Antworten auf Fragen wie „warum Konsens gefährlich sein kann”, „warum Erfahrung manchmal dumm macht” und „warum man sich vor Expertenwissen hüten sollte“. Das Buch ist kurz und unterhaltsam und trotzdem sehr erhellend, deswegen kann ich es als Lektüre nur empfehlen. >> „Die Kunst des klaren Denkens“ – erhältlich bei amazon

Wenn Sie vor einer wichtigen Entscheidung stehen, einen anhaltenden Konflikt lösen wollen oder Ihren Handlungsrahmen erweitern wollen, stehe ich Ihnen auch gerne für ein Coaching zur Verfügung, in dem wir Ihren individuellen Denkfehlern auf die Spur kommen und Maßnahmen entwickeln können, wie Sie diese Denkfehler überlisten. >> Mein Coaching-Angebot

P.S. Wenn Sie sich beim Lesen meines Artikels Gedanken gemacht haben, wie Sie trotz 90 Prozent Veranlagung und 10 Prozent „Hamsterrad“ zufriedener werden können, hier noch ein paar Worte zu den 90 Prozent Veranlagung:

In der Tat wird davon ausgegangen, dass 50 Prozent in unseren Genen liegt und damit nicht veränderbar ist. Die anderen 40 Prozent betreffen unsere innere Einstellung und werden uns maßgeblich von unseren Eltern und Bezugspersonen und durch persönliche Erfahrungen mitgegeben.

Unsere Zufriedenheit hängt damit zu einem großen Teil an unserer inneren Einstellung – unsere Einstellung zum Leben, zu uns selbst, zu unserem Umfeld, zu unserer Sicht der Dinge. Und das schöne: für unsere innere Einstellung sind wir selbst verantwortlich, hieran können wir arbeiten und unseren individuellen Zufriedenheitslevel eigenständig heben.

Lesen Sie zu diesem Thema zum Beispiel meine folgenden Artikel

„Haben Sie das Ruder in der Hand? Wie die eigene Kontrollüberzeugung über unseren Erfolg bestimmt“ >> hier lesen

„4 Wege zum positiven Umgang mit negativen Emotionen“ >> hier lesen

Lernen Sie sich selbst besser kennen – Meine Lieblingstools für die Selbstreflexion“ >> hier lesen

 

 

 

 

Advertisements

  1 comment for “Wie typische Denkfehler uns einschränken und unglücklich machen können – Ein Buchtipp zum Thema „Klares Denken“

  1. Alexandra
    9. Mai 2015 um 17:15

    Liebe Frau Zimmer,
    das diese psychologischen Denkfehler einen direkten Zusammenhang haben mit unserer Zufriedenheit… das ist mir heute erst so richtig bewusst geworden… Schreiben Sie doch gerne auch über die anderen Denkfehler!
    Viele Grüße aus Aachen,
    Alexandra

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: