Heute hier, morgen…dort! Tipps auf dem Weg zu Ihrem Quereinstieg.

Es gibt viele Gründe für die berufliche Neuorientierung und ebenso viele Hürden auf dem Weg des „Quereinsteigers“. Mit dem Wissen um Ihren persönlichen Standort und Ihr Ziel sowie einigen praktischen Tipps kann der Quereinstieg dennoch gelingen.

Andauernde Unzufriedenheit im Job, der Wiedereinstieg in das Berufsleben nach einer längeren Familienpause, die schlechte Arbeitsmarktlage, die Gesundheit, Arbeitslosigkeit, eine Sinnkrise, die Feststellung, dass das gewählte Studium oder die begonnene Ausbildung nicht zu einem passen oder der Wunsch nach Selbstverwirklichung. Gründe für den Wunsch nach einer berufliche Neuorientierung gibt es viele – und ebenso viele Hürden.

Personaler und Fachvorgesetzte suchen überwiegend noch immer nach dem roten Faden im Werdegang und der passenden fachlichen Qualifikation für die ausgeschriebene Position. Der Wunsch nach Selbstverwirklichung scheint vielen Menschen zudem suspekt. Bekanntes aufgeben zu wollen und das Risiko, das ein neuer Berufsweg mit sich bringt, dies stößt bei Familie und Freunden nicht selten auf Unverständnis. Vielleicht stehen Sie sich aber auch selbst im Wege, haben Angst, Ihre Komfortzone zu verlassen oder Zweifel, ob Sie die Energie für einen Quereinstieg aufbringen können?

Zu einem Quereinstieg gehört Mut, ohne Frage. Flexibilität und der Wille, umzudenken und sich auf etwas Neues einzulassen, das sind wichtige Voraussetzungen für einen erfolgreichen Quereinstieg. Je nachdem wie stark Sie sich verändern wollen, können auch Jahre erneuter Aus- und Weiterbildung, finanzielle Rückschritte oder ein Ortwechsel notwendig sein.

Die Entscheidung für eine berufliche Umorientierung will also gut überlegt, die tatsächliche Umsetzung gut geplant sein.

Und die Chancen als Quereinsteiger?

Es gibt einige und immer mehr Unternehmen, die Quereinsteigern eine Chance geben und immer mehr Firmen, die sogar genau darauf setzen und Innovation durch neue Denkansätze fördern wollen. Auch die derzeitige wirtschaftliche Lage in vielen Branchen, der zunehmende Fachkräftemangel und die Notwendigkeit nachhaltiger Innovation sprechen aus Sicht der Arbeitgeber immer mehr dafür, persönliche Talente und Fähigkeiten über fachliche Qualifikationen zu stellen. Außerdem wächst das Bewusstsein in den Unternehmen, dass Menschen, die ihren Fähigkeiten, Talenten und Interessen entsprechend im Unternehmen eingesetzt werden, erfolgreicher sind als fachlich gut ausgebildete Mitarbeiter, die mit ihrer Tätigkeit unzufrieden sind und deren Leistung unter mangelnder Motivation leidet. 

Tipps, wie Sie Ihre berufliche Neuorientierung angehen können 

Schritt 1: Führen Sie eine umfassende Standortanalyse durch.

Erarbeiten sich Ihren persönlichen Standort und schaffen sich Klarheit darüber, welches berufliche Umfeld zu Ihnen passt und was zu erreichen möglich ist. Stellen Sie sich dazu zum Beispiel folgende Fragen:

Wo stehen Sie gerade?

  • Warum beschäftigen Sie sich mit dem Gedanken, sich beruflich umzuorientieren?
  • Sind dies Gründe, die zwangsläufig zu einem Quereinstieg führen? Oder lässt sich Ihre aktuelle Situation mit kleineren Veränderungen verbessern (z.B. Arbeitszeit oder Arbeitsinhalte anpassen, Arbeitsumfeld verändern)?
  • Welche Kenntnisse, Erfahrungen und Fähigkeiten besitzen Sie? Welche Stärken und Talente zeichnen Sie aus?

Wo wollen Sie hin?

  • Welche Kenntnisse, Fähigkeiten, Stärken und Talente würden Sie gerne mehr einsetzen oder weiter entwickeln?
  • Was müsste der „ideale“ Job mit sich bringen? Denken Sie hier an die Inhalte, das Umfeld, die Rahmenbedingungen wie Arbeitszeit, Ort, Arbeitsbedingungen, etc..

Wie können Sie Ihre Vision realisieren?

  • Was müssten Sie können und ggf. dazu lernen, um Ihren „Traumjob“ ausführen zu können?
  • Wozu müssten Sie bereit sein, um Ihr Ziel zu erreichen (Ortswechsel, Aus- oder Fortbildung, finanzieller Rückschritt, etc.)?

 Mit diesen und ähnlichen Fragen reflektieren Sie Ihre aktuelle Situation und entwickeln Ihre Vision. Wichtig für das weitere Vorgehen ist, dass Sie Ihren Standort möglichst klar definieren. Mögliche Erkenntnisse auf Basis Ihrer Standortanalyse können sein: 

  • Ich bleibe, wo ich bin, weil es dafür vernünftige Gründe gibt.
  • Ich verändere meine jetzige Situation und suche dafür das Gespräch mit meinem Chef, um z. B. die Rahmenbedingungen (wie beispielsweise die Arbeitszeit, die Arbeitsinhalte, den Arbeitsplatz) anzupassen.
  • Mein Job passt super zu mir, ich wechsle aber die Firma, weil das Unternehmen nicht zu mir passt.
  • Ich nehme mir eine Auszeit, um mir klar zu werden, was ich will. Ich probiere unterschiedliche Sachen aus, bilde mich fort, mache einfach mal Pause.
  • Ich will mich definitiv verändern und wage den Quereinstieg. 

Schritt 2: Treffen Sie eine klare Entscheidung.

Dauerhaftes Grübeln über die eigene berufliche Zukunft blockiert Sie. Um ins Handeln zu kommen ist es daher wichtig, dass Sie eine klare Entscheidung treffen. Mit Ihrer Standortanalyse haben Sie eine gute Grundlage dafür geschaffen.

Wenn Sie dennoch weiterhin Zweifel haben, welcher Weg für Sie der Richtige ist, stellen Sie sich diese Fragen: 

  • Auf einer Skala von 1-10, wie hoch ist Ihr Leidensdruck in der jetzigen Situation? (1= gar kein Leidensdruck, 10 = extremer Leidensdruck)

Je weniger Sie Leidensdruck empfinden, umso mehr Zeit können Sie sich für Ihre Entscheidungsfindung und weitere Planung lassen. Je höher Ihr Leidensdruck ist, umso eher sollten Sie mit Veränderung beginnen, um Ihre Lebensqualität zu erhöhen und sich dauerhaft vor gesundheitlichen Auswirkungen durch Ihre unklare berufliche Situation und Unzufriedenheit zu schützen. 

  • Auf einer Skala von 1-10, sind Sie in einer „weg von“ oder einer „hin zu“-Situation? (1= ich will einfach nur weg aus meinem Job, 10 = ich habe mein neues Ziel ganz klar und deutlich vor Augen) 

Je mehr Sie sich in Richtung „weg von“ einordnen, umso ausführlicher sollten Sie sich mit dem Thema beschäftigen, welcher Job besser zu Ihnen passt. Sich von hoher Unzufriedenheit oder hohem Leidensdruck treiben zu lassen ohne zu wissen, was besser für Sie ist, führt häufig dazu, dass Sie sich in den nächsten Job „retten“, der dann eventuell wieder nicht zu Ihnen passt. Der „Teufelskreis“ beginnt von vorne. Je klarer Ihr Ziel für die Neuorientierung ist, umso besser können Sie Ihre nächsten Schritte am Ziel ausrichten und umso mehr Erfolg werden Sie haben, das Ziel zu erreichen. 

Schritt 3: Praktische Tipps für den „Quereinstieg“

Sie haben sich entschieden, sich beruflich neu zu orientieren und das Projekt „Quereinstieg“ anzugehen. Für die Umsetzung Ihrer beruflichen Neuorientierung möchte ich Ihnen noch einige praktische Tipps mitgeben: 

  • Nutzen Sie Ihr Netzwerk.

Wen kennen Sie, der Sie bei Ihrem Vorhaben unterstützen kann? Erweitern Sie Ihrem neuen Ziel entsprechend Ihr Netzwerk. Gehen Sie beispielsweise auf einschlägige Veranstaltungen und passen Ihr Profil in sozialen Netzwerken an. Erzählen Sie möglichst vielen Menschen von Ihrem Vorhaben. 

  • Lesen Sie Stellenanzeigen mit den Augen des „Quereinsteigers“.

Viele Bewerber werden beim Lesen einer Stellenanzeige bereits gebremst, weil sie denken, nicht in allen genannten Aufgaben Erfahrung mitzubringen oder sie die Anforderungen nicht gänzlich erfüllen. Folgendes sollten Sie im Hinterkopf haben, wenn Sie Anzeigen lesen: Unternehmen beschreiben in den Stellenausschreibungen das Maximum dessen, was sie vom Stelleninhaber erwarten. Stellenausschreibungen sind zudem auch immer Marketing für das Unternehmen, entsprechend hochwertig werden Positionen dargestellt. Lassen Sie sich also nicht sofort abschrecken. Analysieren Sie die Anzeigen genau. Welche Stärken und persönlichen Fähigkeiten werden in der Anzeige herausgestellt und welche vermuten Sie selber hinter der Position? 

Tipp: Beim Recherchieren zum Thema bin ich auf die Jobbörse „Talentfrogs“ gestoßen, die unter dem Motto „Die besten Chefs suchen Talente und keine Lebensläufe!“ die Stellenanzeigen nach Fähigkeiten und Talenten clustern, nicht nach Jobtitel. So können Sie zum Beispiel über die Stichworte „Analysefähigkeit“, „Internet-Affinität“, „Organisationstalent“ und „Führungstärke“ nach passenden Jobs suchen. Die Anzahl an ausgeschriebenen Stellen ist noch nicht groß, dennoch bekommen Sie hier einen guten Überblick und spannende Impulse, welche Art von Firmen „Quereinsteigern“  eine Chance geben und welche Jobs sich für welche Fähigkeiten eignen. 

  • Richten Sie Ihre Bewerbung an Ihren Stärken und Fähigkeiten aus.

Meine Erfahrung ist, dass viele Recruiter und Personaler beim Sichten der Bewerbungsunterlagen immer noch damit starten, einen Abgleich der fachlichen Qualifikationen und der einschlägigen Berufserfahrung des Kandidaten mit dem Stellenprofil vorzunehmen. Als Quereinsteiger halten Sie diesem Vergleich natürlich nicht stand. Versuchen Sie daher, Ihr Anschreiben und auch Ihren Lebenslauf so aufzubauen, dass bereits in den ersten Zeilen beziehungsweise auf der ersten Seite Ihre besonderen Stärken und Fähigkeiten hervortreten. Diese sollten möglichst mit den in der Stellenausschreibung genannten übereinstimmen. Bleiben Sie aber auf jeden Fall ehrlich. Dichten Sie nichts hinzu und stellen Sie sich durchaus selbstbewusst dar. Sie haben Ihre Gründe für Ihren Quereinstieg für sich ja klar definiert und Sie bringen persönliche Stärken mit, die dem Unternehmen nutzen können!

  •  Bereiten Sie sich auf Vorstellungsgespräche passend vor.

Herzlichen Glückwunsch, mit Ihren Unterlagen haben Sie bereits überzeugt! Spätestens wenn Sie zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen werden, können Sie davon ausgehen, dass das Unternehmen offen ist für Quereinsteiger und vielleicht sogar gezielt danach sucht. Nun gilt es, auch im persönlichen Gespräch zu überzeugen, das heißt Ihre Motivation für den Jobwechsel deutlich zu machen und die Stärken und Fähigkeiten herauszustellen, die für gute Leistungen in der Position notwendig sind. Bereiten Sie sich daher gut vor auf Fragen über Ihre Motivation für den Jobwechsel, über Ihre zum Job passenden Stärken und Fähigkeiten und warum Sie denken, in der Aufgabe erfolgreich zu sein. Überlegen Sie sich im Vorfeld auch, wie Sie sich die ersten Tage in Ihrer neuen Aufgabe vorstellen und wie Sie sich effektiv einarbeiten wollen.

  •  Lassen Sie sich von Rückschlägen nicht entmutigen.

Sie konnten Ihr Vorhaben bisher nicht realisieren? Sie haben bereits mehrere Absagen erhalten? Bevor Sie sich verunsichern lassen und Ihr Vorhaben aufgeben, ziehen Sie erst einmal Bilanz. 

Kennen Sie die Gründe für die Absagen? Haken Sie eventuell noch einmal nach. Schauen Sie sich dann an, welche Erkenntnisse Sie daraus ziehen können.

Machen Sie sich Ihre Motivation für den Neuanfang noch einmal klar. Warum haben Sie sich für den Quereinstieg entschieden? Was passiert, wenn Sie nicht „dran bleiben“? 

Suchen Sie sich eventuell einen Mentor oder Coach, der Sie bei der Umsetzung Ihrer Pläne unterstützt, mit dem Sie Ihren Standort noch einmal reflektieren und Ihre Vision überprüfen können. Häufig hilft ein Perspektivwechsel, um Schritte für Ihre berufliche Neuorientierung zu entwickeln, an die Sie bisher nicht gedacht haben. 

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg dabei, sich der Arbeitswelt mit Ihren Stärken, Talenten und Erfahrungen zu präsentieren und einen Job zu finden, der Sie ausfüllt und begeistert. Viel Erfolg für Ihren Quereinstieg!

 

Sie haben den Quereinstieg geschafft? Ich freue mich über Ihre Erfahrungen und persönlichen Tipps! Hinterlassen Sie gerne einen Kommentar oder nehmen Sie über das Kontaktformular Kontakt zu mir auf.

 

 

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  3 comments for “Heute hier, morgen…dort! Tipps auf dem Weg zu Ihrem Quereinstieg.

  1. Elmar-Stephan May
    10. Juni 2014 um 12:33

    Hat dies auf Ratgeber für Ihre Weiterbildung IHK rebloggt.

  2. Elmar-Stephan May
    10. Juni 2014 um 12:33

    Informativer Bericht. Gefällt mir!

    • 10. Juni 2014 um 20:50

      Hallo Herr May, vielen Dank für die positive Rückmeldung! Viele Grüße, Mareike Zimmer

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