Entführt vom eigenen Geist – Anleitung für die Flucht aus der „Grübelfalle“

Grübeleien, Sorgen, Ängste, innere Kritiker – an die 80.000 Gedanken gehen uns täglich durch den Kopf und davon schaffen 95% mehr Unruhe als dass Sie uns nutzen, sagt Andreas Knuf, Diplompsychologe und Psychologischer Psychotherapeut aus Konstanz. Fühlen Sie sich auch häufig gestresst durch Ihre eigenen Gedanken? Zeit, unserem „Quäl-Geist“ zu entkommen! 

Überprüft habe ich die Zahlen, die Andreas Knuf in seinem Buch zur Anzahl der täglichen Gedanken und zur Sinnhaftigkeit der Gedanken macht nicht. Wenn ich mich selbst beobachte – beim Zähneputzen, im Stau auf der Fahrt zur Arbeit, sogar während des ein oder anderen Meetings, also sobald etwas nicht meine ungeteilte Aufmerksamkeit braucht – fangen meine Gedanken jedoch tatsächlich an unaufhörlich zu kreisen. „Warum hast du dich gegen den Kollegen wieder nicht durchsetzen können. Was meinte die Kollegin eigentlich damit, als sie sagte, sie übernimmt die Präsentation gerne alleine?! Wäre ich nach der Veranstaltung lieber doch noch geblieben, die anderen denken jetzt bestimmt, ich habe kein Interesse an ihnen. Die Präsentation muss einfach gelingen, sonst kann ich mir die Beförderung abschminken. …“

Gedanken ohne Pause

Gedanken über verpasste Möglichkeiten, Sorgen über morgen, Grübeln darüber, was andere wohl denken… Vermutlich kommt es hin mit den 80.000 Gedanken pro Tag. Und wenn ich mir diese Gedanken bewusst genauer betrachte, ist ein Großteil für mich tatsächlich nicht nützlich und wenig förderlich. Die Gedanken halten mich davon ab, konzentriert meiner aktuellen Tätigkeit nachzugehen. Vielleicht stören Sie mich sogar dabei, einen besonders schönen Moment zu genießen. Häufig gaukeln sie mir etwas vor, lassen einen Film in meinem Kopf ablaufen, der frei erfunden ist, sich immer weiter dreht und meine Gefühlslage im schlimmsten Fall negativ beeinflusst.

Kommt Ihnen das bekannt vor? Dann hat Ihr Geist Sie auch entführt – in die Vergangenheit, in die Zukunft oder in eine innere Realität, die nicht der Wirklichkeit entspricht. Gegen Ihren Willen wurden Sie in die „Grübelfalle“ gelockt.

Was die Grübelfalle mit uns macht

Einmal in der Grübelfalle gefangen, hindert uns das Gedankenkreisel daran, klare Gedanken zu fassen. Wir treffen Entscheidungen, die wir später vermutlich bereuen. Wir versuchen dem Gedankenkreisel zu entkommen, indem wir uns mit Alkohol, übermäßigem Essen, übertriebener sportlicher Aktivität oder Arbeit ablenken oder die Gedanken mit Fernsehen und Radio übertönen. Je nach Ausprägung und Intensität kann uns das Gedankenkarussell regelrecht krank machen. Es raubt uns den Schlaf, äußert sich in Spannungskopfschmerz, Unruhe, Anfälligkeit für Infektionen und anderen diffusen körperlichen Beschwerden.

Bevor es soweit kommt, kann es helfen, sich überhaupt erst einmal bewusst zu machen, dass man in der „Grübelfalle“ gelandet ist, dass der Geist uns entführt hat und seine Spielchen mit uns treibt. Zeit, den Spieß umzudrehen und die Spielregeln vorzugeben!

Übung für mehr geistige Ruhe

Zu dem folgenden „Ballspiel“ – wie ich es nenne – hat mich eine Übung aus dem Buch von Andreas Knuf „Ruhe da oben! Der Weg zu einem gelassenen Geist“ inspiriert. Ich spiele dieses Spiel jetzt schon seit einiger Zeit regelmäßig mit meinem Geist. Die Übung entspannt mich und mit jedem Mal entkomme ich der Grübelfalle schneller.

Es geht darum, dass Sie Ihre Gedanken bewusst beobachten. Sprechen Sie sie gegebenenfalls laut aus. Nehmen Sie dann jeden Gedanken wie einen Ball in die Hand und werfen Sie ihn in eine der folgenden gedanklichen Tonnen (je nach Intensität des Gedankens mit entsprechender Wucht und mit einem entsprechenden Kommentar – bei mir hilft zum Beispiel „Weg mit dir!“):

  • Die Tonne „Vergangenheit“ für Gedanken, die Sie sich über Vergangenes machen (- was Sie nicht ändern können);
  • die Tonne „Zukunft“ für Grübeleien und Sorgen über morgen, die nächsten Jahre, die Zukunft allgemein;
  • die Tonne „Unsinn“ für alle Gedanken, die nicht der Wirklichkeit entsprechen, weil Sie sie nicht überprüfen können oder (noch) nicht überprüft haben.

Gedanken rein, Deckel auf die Tonne und den Rest der Müllabfuhr überlassen.

Unangenehme Dinge, die es trotz allem zu erledigen gilt (z.B. die Steuererklärung) können Sie sich aufschreiben. So entlasten Sie Ihren Geist ohne den Punkt zu vergessen und können sich zu einem Zeitpunkt, den Sie bestimmen, darum kümmern.

Werden Sie nicht zum Opfer Ihres Geistes. Lassen Sie sich nicht in die Grübelfalle locken. Bringen Sie Ihren Geist zur Ruhe und entscheiden Sie selber, worüber Sie zu welcher Zeit nachdenken wollen. Ein klarer Geist kann eine Situation aus mehreren Blickwinkeln betrachten. So entstehen neue Handlungsspielräume. Sie haben das Thema in der Hand und können klare Entscheidungen treffen. 

Zum Weiterlesen::

Mehr Details zum Buch von Andreas Knuf sowie weitere Tipps finden Sie in unter >> zum weiterlesen::

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