Thank God, it´s Friday! Warum wir am Wochenende glücklicher sind – und was wir daraus für unser Berufsleben lernen können.

Manche wissenschaftlich durchgeführte Studie bestätigt, was wir vorher längst wussten. So auch die Studie von Richard Ryan. Der Forscher belegte, dass es Menschen am Wochenende geistig und körperlich deutlich besser geht als an Arbeitstagen. Aber warum  genau sind wir am Wochenende glücklicher? Und können wir die Erkenntnisse nicht einfach auf unsere Arbeitswoche übertragen?

Richard Ryan, Psychologieprofessor an der University of Rochester im Bundesstaat New York ließ Probanden im Alter zwischen 18 und 62 Jahren über drei Wochen Tagebuch führen. Sie sollten ihre Tätigkeiten über den Tag aufzeichnen sowie ihr jeweiliges Befinden und   ihren Stresspegel festhalten. Das Ergebnis: am Wochenende ging es den Teilnehmern der Studie sowohl geistig als auch körperlich  deutlich besser als an Arbeitstagen. Dabei war es unerheblich, welches Bildungsniveau die Menschen hatten, wie viele Stunden sie arbeiteten und wie viel Geld Sie verdienten. Selbst zwischen den Altersgruppen und Geschlechtern gab es keine Unterschiede. Und auch der Familienstand spielte keine Rolle. Durchweg fühlten sich die Teilnehmer am Wochenende glücklicher. Das ist für viele Menschen keine neue Erkenntnis, sondern bestätigt lediglich die eigene Erfahrung.

Der Schlüssel für bessere Stimmung 

Was genau machte die Menschen nun am Wochenende glücklicher? Die umfassende Analyse der Tagebuchaufzeichnungen ergab: am Wochenende fühlten sich die Teilnehmer der Studie den Menschen in ihrer Umgebung näher und mehr verbunden. Mit ihren  Kollegen  verband sie häufig wenig. Außerdem empfanden sich die Menschen am Wochenende  deutlich  selbstbestimmter  und freier als im Job.  Interessant ist, dass sich die Probanden bei ihren Wochenendaktivitäten  auch als viel kompetenter als in ihren Jobs fühlten.

Menschen geht es demnach häufig dann besser, wenn sie ihre Bedürfnisse nach sozialer Verbundenheit, Autonomie und Kompetenz verwirklichen können. In der Regel, so die Forscher, sei dies am Wochenende besser möglich, so dass wir uns am Wochenende entsprechend glücklicher fühlen. So rät Ryan dann auch: „Menschen sollten ihre Wochenende nicht mit Mehrarbeit belasten, denn sie bieten die Gelegenheit, sich mit Menschen zu treffen, die wir mögen, eigene Interessen zu verfolgen und zu entspannen – all dies sind grundlegende psychologische Bedürfnisse.“ (Quelle: Psychologie Heute)

Wie wir die Erkenntnisse für uns nutzen können

Was die Studie von Ryan und seinen Kollegen aufzeigt, wussten wir im Grunde schon vorher. Also hoffen wir die Woche über weiterhin, dass das Wochenende endlich kommen möge…?!

Ich schlage vor, wir nehmen einen neuen Blickwinkel ein und schauen, ob wir die Erkenntnisse auf unser Berufsleben übertragen können. Hier ein paar Denkanstöße dazu:

Soziale Verbundenheit: Sicherlich, unseren Chef, unsere Kollegen und unsere Kunden können wir uns nicht immer aussuchen. Dennoch gibt es Möglichkeiten, zu beeinflussen, mit welchen Menschen wir in der Arbeitswoche zu tun haben.

Das beginnt bei der Wahl für einen Arbeitgeber oder einen neuen Job. Wenn wir uns darüber klar sind, mit welchem Typ Mensch wir am besten zusammen arbeiten können, dann kann es leichter fallen, sich für oder gegen eine bestimmte Branche oder ein Unternehmen zu entscheiden. Wenn wir beispielsweise Kreativität und ein gewisses kreatives Chaos lieben, werden wir uns eher in einer Agentur wohlfühlen als in einer Bank.

Im Bewerbungsprozess für neue Mitarbeiter biete ich den Kandidaten an, sich mit den zukünftigen Kollegen im Bereich zu unterhalten. So können meine Kollegen mir zum einen eine Rückmeldung geben, ob sie den Bewerber für geeignet halten. Auf der anderen Seite erhält aber auch der Bewerber einen Eindruck vom Typ Mensch, mit dem er oder sie zusammen arbeiten würde und kann seinerseits entscheiden, ob die Chemie stimmt. Vielleicht fragen Sie bei ihrem nächsten Bewerbungsgespräch auch einmal nach dieser Möglichkeit. Das erhöht später die Wahrscheinlichkeit der Verbundenheit mit Ihren Kollegen.

Verbundenheit entsteht auch durch gemeinsame Interessen und Erlebnisse. Deswegen sind Teambuilding-Events bei vielen Chefs so beliebt. Kennen Sie die Interessen Ihrer Kollegen und Kolleginnen? Vielleicht lohnt sich das ein oder andere Gespräch außerhalb der beruflichen Termine oder Tätigkeiten, um gemeinsame Interessen zu erkunden und die Beziehung zu Ihren Kollegen zu stärken. Dabei muss es nicht unbedingt nur um private Themen gehen. Vielleicht gibt es die Möglichkeit, mit Ihren Kollegen beruflich enger zusammen zu arbeiten, an gemeinsamen Aufgaben oder Projekten. Denn auch gemeinsame berufliche Erfahrungen und Erfolge können die Verbundenheit stärken.

Selbstbestimmtheit: Im Job sind wir häufig äußeren Zwängen unterworfen und müssen uns gewissen Gepflogenheiten anpassen.

Auch hier kann es also Sinn machen, sich vor der Wahl für einen Beruf oder für eine Aufgabe darüber klar zu werden, was wir brauchen und was wir gar nicht wollen. Je mehr wir uns für unseren Job verbiegen müssen, umso weniger selbstbestimmt fühlen wir uns.

Häufig sind wir auch nur der Meinung, dass wir keinen Einfluss auf die äußeren Begebenheiten im Job haben und nicht selbstbestimmt agieren können. Wir fühlen uns beispielsweise fremdgesteuert durch unsere Termine und beugen uns dem Zeitdruck. In diesem Fall kann es helfen, die Perspektive zu wechseln und nach eigenen Handlungsmöglichkeiten zu suchen: warum stehe ich unter Zeitdruck und lasse mich durch meine Termine treiben? Vielleicht, weil ich nicht nein sagen kann oder meine Prioritäten nicht richtig setze?

Kompetenz: Warum fühlen wir uns bei unseren Wochenendaktivitäten kompetenter? Weil wir das tun, worin wir gut sind, was uns Spaß macht oder wovon wir so begeistert sind, dass wir neues schnell erlernen.

Wenn wir also beruflich in einem Bereich arbeiten, in dem wir unsere Stärken einsetzen können und von dem wir begeistert sind, dann werden wir uns auch im Arbeitsleben kompetent fühlen oder schnell Kompetenz aufbauen. Dafür ist es nicht immer notwendig, die Abteilung oder sogar das Unternehmen zu wechseln. Vielleicht reicht schon das Gespräch mit dem Vorgesetzten über eine mögliche Veränderung der Arbeitsinhalte oder die Möglichkeit, in einem speziellen Projekt mitarbeiten zu können.

Die Bedürfnisse nach sozialer Verbundenheit, Selbstbestimmtheit und Kompetenz können wir also zum Teil auch im Berufsleben befriedigen. Es lohnt sich, die eigene Situation aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und nach neuen Möglichkeiten dafür zu suchen. Mit dem Zufriedensein brauchen Sie dann vielleicht nicht mehr bis zum Wochenende zu warten!

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  4 comments for “Thank God, it´s Friday! Warum wir am Wochenende glücklicher sind – und was wir daraus für unser Berufsleben lernen können.

  1. 28. August 2013 um 19:19

    Liebe Mareike,

    ich würde mich gerne einmal mit Dir darüber austauschen, für wie praktikabel Du einen Ansatz hältst wie den von John Strelecky in „Big Five for Life“ – wo der fiktive Unternehmer immer nur Menschen einstellt, deren „Big Five“ in/mit ihrem künftigen Job realisierbar/vereinbar sind.

    Liebe Grüße
    Sven

    • 28. August 2013 um 21:38

      Lieber Sven,

      Kernaussage von John Strelecky in seinem Buch ist ja: „Wer persönliche Ziele und Unternehmensziele in Einklang bringt ist glücklicher und arbeitet produktiver“ und so stellt sein fiktiver Unternehmer nur Menschen ein, die sich mit dem Geschäftsmann selbst, seinen Idealen und seinem Unternehmen vollkommen identifizieren. Der Unternehmer gewährt seinen Mitarbeitern dafür viele Freiheiten, fördert ihre Kreativität und sorgt allgemein für eine sehr wertschätzende Arbeitsatmosphäre. Das alles macht ihn zu einem außerordentlich erfolgreichen Geschäftsmann – so die Geschichte von John Strelecky.

      Und in der Praxis: Ob ich mich bei der Personalauswahl rein an den „big five for live“ orientieren würde… Ich glaube, die meisten meiner Bewerber sind sich über ihre „big five“ Wünsche gar nicht im Klaren. Aber davon mal ab. Viele Fragen im Bewerbungsgespräch zielen in der Tat darauf ab, die Werte und Ideale des Kandidaten zu erkunden und zu sehen, ob er/sie vor dem Hintergrund zum Unternehmen passt. Ja, im Ansatz stimme ich der Kernaussage von John Strelecky zu, wenn wir unser Leben und unsere Arbeit in Einklang bringen, dann profitieren sowohl die Mitarbeiter als auch die Unternehmen davon. Ob das in der Praxis komplett umsetzbar ist? Ich glaube (derzeit noch) nicht…

      Dabei fällt mir allerdings das Unternehmen Semco ein, ein brasilianisches Maschinenbau-Unternehmen, kennst du das? Ricardo Semler hat das von seinem Vater zuvor patriarchisch geführte Unternehmen komplett umgebaut zu einem Unternehmen, das im Grunde von den Mitarbeitern selbst „geführt“ wird. Semler geht soweit, dass er seine Mitarbeiter ihre Einkommen selber bestimmen lässt und jeder arbeiten kann, wann und wo er will. Die Mitarbeiter können ihre Position so häufig wechseln wie sie möchten, mit dem Ziel, dass sie genau die Tätigkeit finden, die am besten zu ihnen passt und die sie wirklich tun wollen. Nicht einmal die Produkte sind fest vorgegeben, damit die Mitarbeiter nicht begrenzt werden. So werden sowohl Pumpen und Backmaschinen hergestellt, aber zum Beispiel auch Inventur-Dienstleistungen für Warenhäuser angeboten. Semler ist für sein Führungsmodell mehrfach „als Geschäftsmann des Jahres“ ausgezeichnet worden. Wenn es dich interessiert: sein Buch „Das Semco System – Management ohne Manager“ ist ziemlich interessant.

      Ja, lass uns bei Gelegenheit gerne weiter zu dem Thema diskutieren!

      Danke für deinen Kommentar in meinem Blog, hab mich sehr gefreut! Viele Grüße und bis bald, Mareike

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