Unzufrieden im Job? Zurücklehnen oder tätig werden… 20 hilfreiche Fragen

„Liebe was du tust und tue was du liebst.“ Fühlen Sie die Wahrheit hinter diesen Worten? Wie passt dieses Motto zu Ihrem Leben und insbesondere zu Ihrer Arbeit? Tun Sie, was Sie lieben? Und wenn nicht, warum nicht? Kommen Sie Ihren Antworten auf die Spur und stellen Sie sich ein paar tiefgehende Fragen.  

 „Liebe was du tust und tue was du liebst.“ Diese Worte habe ich vor einigen Jahren von einer Sängerin in einer Musik Casting Show gehört. Eine junge Frau, die ihr selbstkomponiertes Lied strahlend vortrug und der ich jedes einzelne Wort abnahm. An dem Abend habe ich noch lange über ihre Worte nachgedacht – ich war nachhaltig beeindruckt. In wenigen, einfachsten Worten hatte die junge Sängerin das für mich wesentliche für den persönlichen Erfolg und Zufriedenheit im Leben ausgedrückt. 

Wie ist das bei Ihnen? Lieben Sie, was Sie tun und tun Sie, was Sie lieben? Oder gehören Sie zu denjenigen, die zunehmend unzufrieden sind mit ihrem Job, aber noch keinen Ansatzpunkt haben, dies zu ändern? Dann sind Sie nicht alleine.

Arbeitszufriedenheit deutscher Beschäftigter sinkt weiter

Einer Studie des Institutes Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen zufolge nimmt die Arbeitszufriedenheit der Beschäftigten in Deutschland seit Mitte der 1980er Jahre in einem langfristigen Trend ab – und das in allen Altersgruppen, in allen Qualifikationsstufen und unabhängig von der Betriebsgröße. Auf einer Skala von 0 („ganz und gar unzufrieden“ bis 10 („ganz und gar zufrieden“) hat sich die Arbeitszufriedenheit im Vergleichszeitraum von 7,6 auf 6,8 Punkte verschlechtert. Und auch eine ganz aktuelle Studie des weltweit größten Online-Business-Netzwerks LinkedIn ergibt: 40 Prozent aller Erwerbstätigen denken derzeit im Sommerurlaub über einen Wechsel und eine berufliche Veränderung nach. 

Sind Sie unzufrieden in Ihrem Job? Oder sind Sie zwar „einigermaßen zufrieden“ aber weit entfernt von „ganz und gar zufrieden“? Und wenn ja, warum ist das so?

Nach Einschätzung der Wissenschaftler, die die Studie der Uni Duisburg-Essen begleitet haben, liegen die Ursachen für die sinkende Arbeitszufriedenheit der deutschen Beschäftigten in zunehmender Arbeitsbelastung und wachsendem Leistungsdruck, in der Unvereinbarkeit von Familie und Beruf, wachsender Unsicherheit über die berufliche Zukunft und die geringen Lohnsteigerungen in den letzten Jahren

Alles Gründe, die sich laut Studie negativ auf die Arbeitszufriedenheit auswirken und alles valide Erklärungen und gute Ansätze für Politik und Arbeitgeber, die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten zu verbessern. So bieten viele Unternehmen flexible Arbeitszeiten an, investieren in Work-Life-Balance Programme und organisierte Kinderbetreuung. Bundesfamilienministerin Schröder setzt sich für Maßnahmen ein, die den beruflichen Wiedereinstieg von Eltern erleichtern sollen, insbesondere für den Ausbau der Kinderbetreuung und den Rechtsanspruch auf eine Vollzeitstelle nach der Teilzeitphase.

Sind dies die Maßnahmen, die Ihre Arbeitszufriedenheit verbessern? Dann haben Sie gute Aussichten, zukünftig zufriedener zu werden, denn Politik und Arbeitgeber legen sich hier bereits mächtig ins Zeug. Sie können sich zurücklehnen.  

Ich persönlich glaube, dass dies nur die halbe Wahrheit ist. Die Fülle an Ratgebern in Buchform oder im Internet, die wachsende Nachfrage an Coaching zum Thema Neuorientierung, meine Erfahrung aus der beruflichen Praxis und Gespräche unter Kollegen und Freunden lassen vermuten, dass noch ein anderer Grund eine wesentliche Rolle spielt, wenn es um die Unzufriedenheit der deutschen Arbeitnehmer geht:

Bei wie vielen der Befragten rührt die Unzufriedenheit daher, dass Sie einfach nicht der Arbeit nachgehen, die Sie begeistert? Dass sie einen Job haben, der sie langweilt, bei dem sie ihre Talente nicht voll einsetzen können, den sie tun, weil sie müssen – aus finanziellen Gründen oder weil es von ihnen erwartet wird?

Darüber gibt die Studie keine Auskunft. Wäre auch zwecklos, denn hier werden alle gut gemeinten Maßnahmen der Politik und Arbeitgeber nicht greifen.

Zurücklehnen oder handeln?

Liegt der Grund für Ihre Unzufriedenheit auch in der mangelnden Begeisterung für Ihre Tätigkeit? Dann haben Sie einen Nachteil: Sie können sich nicht zurücklehnen und darauf hoffen, dass Politik und Arbeitgeber Bedingungen schaffen, die Sie glücklicher machen. Wenn Sie deswegen unzufrieden sind, weil Sie eine Arbeit haben, die nicht die Ihre ist, können Sie nur selber tätig werden! Das ist Ihr großer Vorteil auf dem Weg zu mehr Arbeitszufriedenheit – Sie können selbst zwischen den Optionen entscheiden: „love it – change it – leave it“. Das heißt konkret: Sie können Ihre Situation akzeptieren lernen und sich arrangieren („love it“). Manchmal reichen auch schon kleine Dinge, die wir ändern können, um zufriedener zu werden, zum Beispiel unsere Einstellung gegenüber Personen oder Dingen oder konkrete Veränderungsmaßnahmen („change it“). Wenn wir die Situation nicht akzeptieren und nicht ändern können, können jedoch größere Veränderungen notwendig sein und wir müssen den Mut aufbringen, uns komplett neu zu orientieren. 

Wie so häufig kann es helfen, sich erst einmal Klarheit zu verschaffen über die eigene Situation und die individuellen Möglichkeiten. Dabei können die folgenden 20 Fragen Sie unterstützen. Die Fragen passen für jede Situation, die Antwort liegt nur in Ihnen selbst.

20 prüfende Fragen für mehr Zufriedenheit im Job

Die folgenden Fragen verschaffen Ihnen Klarheit

  • über Ihre derzeitige Situation und warum Sie unzufrieden sind (Fragen 1-5);
  • darüber, was Sie brauchen, um zufrieden zu sein (Fragen 6-12) und
  • über die Punkte, die Sie – bewusst oder unbewusst – bremsen auf dem Weg zu mehr Zufriedenheit im Job (Fragen 13-17) und 
  • über die notwendigen ersten Schritte, die Sie kurzfristig gehen können (Fragen 18-20).

Standortbestimmung – Wo stehen Sie gerade?

1. Auf einer Skala von 1-10 (10 = ganz und gar begeistert; 1 = ganz und gar unzufrieden), wie würden Sie Ihren jetzigen Job bewerten?

2. Was gefällt Ihnen derzeit gut und worauf wollen Sie auch in Zukunft nicht verzichten?

3. Was fehlt Ihnen bei Ihrer jetzigen Arbeit, um Frage 1 auf der Skala mit 10 zu bewerten? Werden Sie möglichst konkret bei der Auflistung der Punkte. Denken Sie zum Beispiel an das Umfeld, in dem Sie arbeiten möchten; an die Kollegen mit denen Sie arbeiten möchten; an Ihre präferierten Arbeitszeiten; Einsatz Ihrer Fähigkeiten und Stärken)

4. Welche Punkte machen Sie derzeit unzufrieden? Was wollen Sie in Ihrem Job überhaupt nicht mehr? Was wollen Sie stattdessen?

5. Auf einer Skala von 1-10 (10 = sehr; 1= gar nicht): wie sehr beeinflusst Ihre Unzufriedenheit im Job Ihr Leben? Wirkt sich die Unzufriedenheit in Stress aus, auf Ihre Beziehungen, auf Ihre Lebensqualität?x

Auf dem Weg zu mehr Zufriedenheit – Wo wollen Sie hin?

Wenn Sie keine Idee haben, welche Art von Tätigkeit Sie zufriedener machen würde, können folgende Fragen helfen (suchen Sie sich die für Sie passende(n) Frage(n) aus – die Situation, in die Sie sich am besten hineinversetzen können):

6. Wenn Sie heute Ihren Schulabschluss machen würden, was würden Sie ab morgen tun?

7. Was würden Sie tun, wenn Sie morgen Ihren derzeitigen Job verlieren würden?

8. Was würden Sie tun, wenn Sie genug Geld hätten, um gar nicht mehr arbeiten zu müssen?

9. Bei welcher Tätigkeit haben Sie sich in der Vergangenheit so richtig zufrieden gefühlt?

10. Wie sieht Ihre Vision von einem perfekten Arbeitstag aus? Wo arbeiten Sie, mit wem arbeiten Sie, wie lange arbeiten Sie, woran arbeiten Sie?

11. Wenn Sie 90 Jahre alt wären und auf Ihr Leben zurückblicken, was möchten Sie erreicht haben?

12. Unter welchen Bedingungen arbeiten Sie am besten?

Übrigens: Eine Studie des Instituts der Wirtschaft aus 2011 hat festgestellt, dass Menschen mit höheren Bildungsabschlüssen, Selbstständige, Arbeitnehmer in Teilzeit und Auszubildende glücklicher sind als andere Beschäftigte. Überprüfen Sie doch diese Optionen einmal für sich.

Wenn Sie bereits eine Idee haben, wie oder unter welchen Bedingungen Sie Ihre Arbeitszufriedenheit verbessern können: 

13. Was hat Sie bisher davon abgehalten, diesen Weg zu gehen?

14. Woran fehlt es Ihnen Ihrer Meinung nach: am Mut, die Punkte mit Ihrem Arbeitgeber zu thematisieren; an der entsprechende Ausbildung; an der Unterstützung durch Ihre Familie; an finanziellen Mitteln; an Ihren Fähigkeiten; an der Angst, die falsche Entscheidung zu treffen oder zu scheitern?

15. Fürchten Sie den Verlust von Ansehen und Status?

16. Müssten Sie den Wohnort wechseln?

17. Müssten Sie Ihren Arbeitgeber wechseln oder sogar einen absoluten Neubeginn wagen?

Konkrete Planung – Werden Sie tätig!

18. Was haben Sie bereits unternommen, um zufriedener im Job zu werden?

19. Wie stark lassen Sie sich von den Befürchtungen und Hindernissen (siehe Fragen 6-10) bremsen? Können Sie Punkte davon – aus einem anderen Blickwinkel betrachtet – entkräften? Eventuell hilft hier das Gespräch mit einer Vertrauensperson oder mit betroffenen Familienmitgliedern.

20. Was können Sie heute noch tun, um den ersten Schritt in Richtung zu mehr Zufriedenheit zu gehen?

xx

P.S. Aus dem Kreis der ersten Leser meines Blogs habe ich den Tipp für ein spannendes Buch zum Thema berufliche Neuorientierung erhalten: „Ihr Pferd ist tot? Steigen Sie ab! Wie Sie sich die innere Freiheit nehmen, beruflich umzusattelnvon Tom Diesbrock.

Zugegeben, ohne die persönliche Empfehlung hätte ich mir das Buch wegen des Titels vermutlich nicht gekauft (irgendwie keine sehr ansprechende Vorstellung, auf einem toten Pferd zu sitzen…). Da ich von der Tippgeberin jedoch sehr viel halte und weiß, dass ihr das Buch bei einem Burn-out sehr geholfen hat, bin ich dem Hinweis natürlich nachgegangen. Gelesen habe ich einen Ratgeber, den ich denjenigen wärmstens empfehlen kann, die in ihrem Job unzufrieden sind und nach einem realistischen Ratgeber suchen, der keine falschen Versprechen macht. Das Buch ist geschrieben von einem Psychologen und Coach, der den Leser ernst nimmt und weiß, dass der Weg zum Traumjob von vielen Stolpersteinen gesäumt ist. Tom Diesbrock macht diese Stolpersteine bewusst und zeigt einen ganz konkreten „Projektplan“ für die berufliche Neuorientierung auf. 

Danke für den Tipp, den ich hier gerne weitergebe!

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  6 comments for “Unzufrieden im Job? Zurücklehnen oder tätig werden… 20 hilfreiche Fragen

  1. Claudia
    29. Juli 2013 um 19:15

    Hallo Mareike,

    ich habe im letzten Jahr das „Sommerloch“ mit Wechselgedanken verbracht und mir dabei ähnliche Fragen gestellt. Die Fragen hören sich einfach an, es steckt jedoch eine ganze Menge „Denkarbeit“ dahinter. Für mich hat sich die „Arbeit“ am Ende jedoch gelohnt. Ich habe die Abteilung im Unternehmen gewechselt und arbeite weniger Stunden als vorher. Ich bin definitiv zufriedener und genieße das diesjährige Sommerloch in vollen Zügen! Es muss nicht immer ein kompletter Neuanfang sein, manchmal reichen schon kleine Veränderungen für mehr Zufriedenheit.

    Vielen Dank für deinen Blog, ich werde ihm folgen!

    Viel Erfolg damit und liebe Grüße,
    Claudia

    • 29. Juli 2013 um 19:35

      Hallo Claudia,
      vielen Dank für deinen Kommentar zu meinem ersten Blogartikel, hab mich sehr gefreut!
      Viele Grüße,
      Mareike

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